Januar 2001 - 5. Ausgabe - Seite 7

 
Aus Wissenschaft und Technik
- Die Haaranalyse auf Kokain -
--- Wie geht die so??? ---
Wir kennen die Geschichte von Daum - reichlich - die Medien waren ja voll davon : Hatta nu oder hatta nu nich?? Eine Haaranalyse sagte aus : er hatte. Er sagte: er hatte nicht. Was kann man glauben??

Inzwischen hat sich die Wissenschaft durchgesetzt - ihr Ergebnis war richtig - und selbst Daum hat eingesehen, dass es bei wissenschaftlich untermauerten Ergebnissen kein Entrinnen gibt und dann die Flucht nach vorn angetreten.

Aber ich will hier nicht über gewesene oder wieder seiende Fußballtrainer rechten. Ich möchte beschreiben, in möglichst verständlichen Worten, wie so eine Haaranalyse funktioniert.


Wie die Probe genommen wird:
Für die Analyse genügt nicht ein einziges Haar, sondern man braucht ein Büschel von etwa 100-200 Haaren. Solch ein Büschel wird mit einer Schnur zusammengebunden und dicht am Kopf abgeschnitten. Es bleibt dort ein etwa pfenniggroßer Fleck.

Diese Haare werden in einer Tensid-Lösung (quasi Waschmittel) gewaschen um ggfs. äußerlich anhaftende Drogen und Schadstoffe zu entfernen. Danach wird das Büschel vom Kopfende her in maximal 2 cm lange Stücke geschnitten. So lässt sich eine zeitliche Zuordnung des evtl. Drogenkonsums treffen. (Ein Haar wächst im Monat ca. 1 cm).


Wie die Probe vorbereitet wird:
Die Haarabschnitte werden mit einer Schere in millimetergroße Stücke zerkleinert. 30 mg reichen für eine Untersuchung.
Dazu muss die Droge aus dem Haar herausgelöst werden. Dafür nimmt man die wässrige, neutrale Lösung eines Phosphatpuffers um die Ester-Gruppen am Kokain-Molekül nicht zu zerstören, weil diese für die spätere Analyse wichtig sind. Gleichzeitig wird der Extraktionslösung ein sogenannter *innerer Standard* ( die deuterierte Form einer der gesuchten Stoffe) zugesetzt. Zu diesem (bekannten) Wert kann man dann relativ den Messwert der gesuchten Droge berechnen.

Der Extrakt muss noch von störenden Stoffen gereinigt  und aufkonzentriert werden. Dafür nimmt man Kationenaustauscher und modifiziertes Kieselgel (beides Feststoffe). Sowas gibt es fertig in kleinen Plastik- oder Glassäulen (eine Art Röhrchen) zu kaufen. Man gießt seine Probelösung  nun oben rein und lässt sie durchsickern. Der Vorgang nennt sich *Festphasenextraktion*, weil der gesuchte Stoff jetzt an der festen  Phase anhaftet. Anschliessend wird die Droge mit einem Lösungsmittelgemisch (Dichlormethan, Isopropanol und Ammoniak) wieder von der festen Phase heruntergelöst, man spricht von einer Elution.


Wie die Probe analysiert wird
Analysiert wird in einem Kapillargaschromatographen-Massenspektrometer (GC-MS). Dieses ist ein gekoppeltes Analysengerät. Im GC werden Stoffgemische aufgespalten, weil die einzelnen Stoffe unterschiedlich schnell die Kapillare durchlaufen und somit zu unterschiedlichen Zeiten ( Minuten) am anderen Ende der Kapillare gemessen werden können. Im nachgeschalteten MS können diese Stoffe nun mittels ihrer Masse ( Molekülmasse, oder auch den Massen von Molekülteilen) identifiziert  werden. Natürlich geht sowas heutzutage alles pc-gesteuert.

Um aber die Stoffe durch das GC-MS *schiessen* zu können, muss man die Stoffe verdampfbar, also *flüchtig* machen. Das kann man durch eine chemische Reaktion erreichen. ( Für Fachleute: die Probe wird mit einer Mischung aus Trifluoracetanhydrid und Hexafluorisopropanol verestert). 
Nach Durchgang durch das Gerät erhält man ein sog. Spektrogramm. Darauf erscheinen in zeitlicher Abhängigkeit sog. *Peaks*, deren Höhe ( genauer: Fläche) ein Maß für die Konzentrationen der gesuchten Stoffe sind. 


Was gemessen wird
Im Falle des Kokains wird nach 4 möglichen Komponenten gesucht:
- dem Kokain selbst
- dem Ester seines Stoffwechselproduktes (Trifluoracetylester)
- dem Ester eines weiteren Stoffes (Hexafluorisopropylester des Benzoylecgonins)
- dem Kokaetylen, was ensteht, wenn die Testperson zugleich Alkohol getrunken hat.
Gleichzeitig werden auch Opiate, Amphetamine und Ecstacy-Wirkstoffe erfasst.

Wird was nachgewiesen, dann hat die Person mit Sicherheit Kokain genommen. Schwieriger wird es allerdings zu sagen, wieviel und wie oft.  Das Ergebnis erlaubt allenfalls grob einzuteilen nach sehr häufig oder eher selten.

Die Kokainkonzentration schwankt nämlich im Haar, je nach individueller Behandlung, z.B. ob der Proband seine Haare färbt. Sie hängt auch von physischen Eigenheiten ab: durch die Schweißdrüsen gelangt das Kokain binnen weniger Stunden nach dem Konsum an die Haare, über die Haarwurzel gelangt es dagegen erst nach 14 Tagen an die Kopfoberfläche. Bei einer Person, die Ecstacy konsumiert hat und deshalb stark schwitzt, bleibt  so der Zeitpunkt des Trips im Dunklen. Im Übrigen: Analysen haben ergeben, dass die in der Szene angebotenen Spezialshampoos, die Kokain aus dem Inneren der  Haare entfernen sollen, nicht das halten, was sie versprechen.


Wer allerdings nicht dazu gezwungen ist, spart sich die Haaranalyse, den sie kostet zwischen 300 und 600 DM. Die meisten Menschen, die ihre Haare analysieren lassen, wollen ihre Abstinenz beweisen, um ihren Führerscheim wiederzubekommen. Andere wiederum brauchen den Nachweis der Drogenfreiheit, um Tanklastzüge zu fahren oder einen ähnlich gefährlichen Beruf auszuüben. 

Und ist es nicht merkwürdig, dass keine der *sauberen* Testpersonen die Haaranalyse *unwissenschaftlich* schimpft??


bearbeitet von : Liisa
(Mitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker)

Quelle: Susanne Donner, Frankfurt a.M. 
Der Originalaufsatz wurde veröffentlicht in der Zeitschrift:

Nachrichten aus der Chemie / 49 / Januar 2001 / 

Hrsg: Gesellschaft Deutscher Chemikerwww.gdch.de
 

Die Bearbeitung erfolgte mit freundlicher Genehmigung 
der Redaktion der *Nachrichten aus der *Chemie*

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